EnergyForum VS

Chancen

(aus Hans E, Schweickardt, Verwaltungsratspräsident Alpiq Holding AG, Rede vom 2. September 2010 im Rahmen der 100 Jahre Feier des Schweizerischen Wasserwirtschaftsverbandes) 

Kommen wir nun zu den Chancen der Wasserkraft. Sie hat beste Voraussetzungen, um im 21. Jahrhundert weiterhin eine bedeutende Rolle zu spielen! Eine erste Chance ergibt sich aus der Geographie:
 
Die Schweiz hat kein Öl, kein Gas und keine Kohle. Die Schweiz hat wenig Sonne und Wind. Dort sind wir stark limitiert. Aber wir haben die Alpen. Berge, Schnee und Wasser. Wasser in grossen Mengen und Wasser in dosierbaren Mengen. Das ist wichtig

Die Natur hat uns die phantastische Möglichkeit gegeben, mit unserem Wasser unabhängig und eigenständig Strom zu produzieren. Zuerst für uns, aber warum auch nicht für andere? Die Schweiz ist ja schliesslich eine Exportnation:„Es ist nicht verboten etwas mehr zu produzieren, als man selbst braucht“. So hat es auch Frau Bundeskanzlerin Merkel für ihr Land einmal auf den Punkt gebracht.
 
Eine zweite Chance liegt im Ausbau-Potential der Wasserkraft. Bis 2050 rechnen wir mit einen langfristigen Ausbaupotential von rund 3 Mia KWh. Darin sind die Verluste durch strengere Restwasser-Bestimmungen eingerechnet. Die Folgen des Klimawandels hingegen sind offen.
 
3 Mia KWh sind wenig. Aber gegenüber heute (37 TWh) doch 8% mehr. Das Ausbaupotential verteilt sich auf drei Bereiche:
  • Neue Anlagen
  • Neue Kleinwasserkraftwerke und
  • die Effizienzsteigerungen bestehender Kraftwerke.
Die Geschichte der Wasserkraft war bisher eine Erfolgsstory. Wir können ihr in Zukunft noch einige weitere Kapitel hinzufügen! Ich bin überzeugt: Das Potential dazu ist vorhanden.
 
Die Wasserkraft grenzt an ein ökologisches Wunder! Das ist die dritte Chance. Natürlich: Jedes Kraftwerk ist Menschenwerk und somit ein Eingriff in die Natur und in die Landschaft. Und ja, es stimmt: Die Wasserkraft beeinträchtigt den freien Fluss des Wassers und die Fortbewegung der Fische. Aber wahr ist auch: Wasser ist erneuerbar. Wasser erzeugt keine Rückstände. Wasser hinterlässt keine Gifte und keine Abfälle. Das Wasser geht bei der Produktion von Elektrizität nicht verloren. Es wird nicht konsumiert. Es bleibt im Kreislauf. Das ist, ich wiederhole es gerne, fast ein ökologisches Wunder! Und aus diesem ökologischen Wunder entsteht Elektrizität. Elektrizität ist nicht einfach ,,nur"  Energie. Sondern die Energie für Präzision, für Innovation, für High-Tech. Für all jene Bereiche, wo wir uns in der Schweiz für besonders stark halten.
 
Die vierte Chance der Wasserkraft hat mit dem vorher Gesagten zu tun. Wasserkraft ist klimaverträglich. Wenn ich das sage, denke ich an zwei Dinge:
  • Erstens: Wasserkraft ist CO2-frei. Das ist ein unschlagbarer Trumpf im Kampf ums Klima. Die Wasserkraft ist - zusammen mit der Kernenergie - der Hauptgrund für unseren vergleichsweise geringen pro Kopf-CO2-Ausstoss. Setzt man unseren CO2-Ausstoss in Relation zum BIP, sind wir sogar Weltmeister.
  • Zweitens: Wir werden in Zukunft mehr Strom brauchen. Nicht nur, weil Strom so hochwertig ist. Sondern auch, weil wir - als gewissenhafte Weltmeister - noch weniger CO2 ausstossen wollen als bisher. Und weil die prognostizierten 8.7 Mio Einwohner von 2025 mehr Strom brauchen als die 7.8 Mio. Einwohner von heute.
Jetzt höre ich sagen: Sonne, Wind, Energieeffizienz. Das ist doch die Geometrie der Zukunft! Doch
allein damit die Stromlücke zu schliessen, und wegen des Klimas auch noch fossile Energie zu ersetzen - das ist die Geometrie des Unmöglichen. In der Geometrie des Möglichen hingegen hat Wasserkraft ihren festen Platz. Und auch die Kernenergie. Beide sind gut fürs Klima.
 
Die fünfte Chance. die ich erwähnen möchte: die Wasserkraft hat das Zeug zur Spitzenenergie.
Stau- und Pumpspeicherkraftwerke sind die Crème de la Crème der Wasserkraft. Weil wir den
Strom genau dann im Netz haben, wenn wir ihn brauchen. In der Spitze eben. Die Alpiq investiert in diese Technologie, das Werk "Nant de Drance" ist ein Beispiel dafür.
 
Wir sind mit unserem Projekt zum Glück nicht allein. Wir haben den Pioniergeist ja nicht für uns gepachtet. Auch Axpo, Repower und BKW planen oder bauen ihrerseits grosse neue Pumpspeicherkraftwerke in Limmern/GL, Bernina/GR und Grimsel/BE.
Diese alpinen Speicher sind wichtig fürs 21. Jahrhundert:
  • wirtschaftlich: Spitzenenergie ist besonders wertvoll
  • gesellschaftlich: Spitzenenergie ist der Treibstoff für Dienstleistungen und High-Tech!
  • versorgungstechnisch: Spitzenenergie schafft Stabilität im Netz, wenn in Deutschland wenig Wind bläst oder wenn alle Menschen gleichzeitig den Schalter auf „on“ switchen
Unsere Spitzenenergie gibt uns als Strom-Drehscheibe und Oeko-Batterie ganz besondere Chancen in Europa. Die Wasserkraft hat also alle Chancen, auch im 21. Jahrhundert Geschichte zu schreiben.  mehr...